Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, kennt das Problem: Steht man länger an einem schönen Campingplatz, ist der Bewegungsradius oft stark eingeschränkt. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt man nicht überall hin – und bei sommerlichen Temperaturen über 30 Grad möchte man nicht unbedingt unzählige Kilometer strampeln. Genau hier kommt ein Roller beim Camping ins Spiel: Er erweitert den Radius enorm und sorgt für Flexibilität und Spontanität.

In diesem Sommer haben wir eine Frankreich-Rundreise mit dem Camper gemacht. Schon im Vorfeld wussten wir, dass wir viele Orte besuchen wollten, die mit dem Wohnmobil schwer erreichbar sind. Außerdem wollten wir nicht ständig unser Lager abbauen, nur um kleine Ausflüge zu unternehmen. Also haben wir uns für einen Roller entschieden – und es war eine der besten Entscheidungen überhaupt! Anfangs dachten wir, damit besonders schlau zu sein, doch schnell wurden wir eines Besseren belehrt: Für viele erfahrene Camper, die mehrere Wochen auf einem Platz verbringen, gehört ein Roller längst zum Standardrepertoire. In diesem Beitrag teilen wir unsere Erfahrungen und die Ergebnisse unserer Recherche rund um das Thema Roller und Wohnmobil.

Anhänger mit dem Roller hinter einem Wohnmobil

Vorbereitungen vor dem Kauf

Bevor man sich für einen Roller beim Camping entscheidet, lohnt sich eine gründliche Vorbereitung. Zentrale Fragen sind: Habe ich den passenden Führerschein für die gewünschte Rollerklasse? Wie viel Zuladung hat mein Camper noch frei – reicht es für eine Bühne oder muss ein Anhänger her? Welche Touren möchte ich fahren – kurze Stadtbesichtigungen oder auch Bergpässe mit Steigungen? Und nicht zuletzt: Welches Budget habe ich für Roller, Transportlösung und Ausstattung zur Verfügung? Wer diese Punkte vorab klärt, erspart sich spätere Überraschungen.

Warum ein Roller beim Camping?

 

Ein Motorroller im Campingurlaub hat gleich mehrere Vorteile:

  • Erweiterter Bewegungsradius: Städte, Dörfer und Ausflugsziele lassen sich bequem erreichen.
  • Komfort bei Hitze und Steigungen: Besonders an heißen Tagen oder auf hügeligen Strecken ist ein Roller deutlich angenehmer als ein Fahrrad.
  • Flexibles Parken: Roller finden fast überall einen Stellplatz, wo man mit dem Wohnmobil keine Chance hätte – Oft sogar kostenlos
  • Günstig im Unterhalt: Die Anschaffung und die laufenden Kosten für einen Roller sind in der Regel überschaubar.
  • Spontane Ausflüge: Man muss nicht immer den gesamten Camper bewegen, sondern ist schnell startklar.
  • Mehr Stauraum für Einkäufe: Mit einem Roller lassen sich Einkäufe und kleine Besorgungen deutlich einfacher erledigen als mit dem Fahrrad.

Wir selbst hatten in früheren Urlauben auch schon öfter Roller ausgeliehen – und waren jedes Mal begeistert und haben tolle Ausflüge unternommen. Mit dem eigenen Roller wird das Ganze aber noch praktischer.

Mehr Mobilität beim Camping in Südfrankreich im Wohnmobil
Roller auf dem Anhänger für mehr Mibilität beim Camping im Wohnmobil

Nachteile und Herausforderungen

Natürlich gibt es auch ein paar Punkte, die man bedenken sollte:

  • Zusatzgewicht: Roller und Heckträger belasten die Zuladung. Gerade bei schweren Kastenwagen wie dem Fiat Ducato ist das kritisch.
  • Transportlösung nötig: Ob Bühne, Heckträger oder Anhänger – man braucht eine Lösung, die zum Fahrzeug passt.
  • Mehrkosten: Für Anhänger oder Träger können zusätzliche Kosten entstehen. Auch erhöhte Ausgaben für Sprit, Vignetten oder Abstellgebühren auf dem Campingplatz sind möglich.
  • Geschwindigkeitsbeschränkung und Rangieren: Mit Anhänger ist man langsamer unterwegs. Zudem kann das Rangieren mit kleineren Anhängern oder längeren Fahrzeugen anspruchsvoll sein – hier sollte man geübt sein.

Für uns überwogen aber ganz klar die Vorteile.

    Möglichkeiten, einen Roller mit dem Wohnmobil zu transportieren

    Wer einen Roller mit in den Campingurlaub nehmen möchte, hat verschiedene Optionen:

    1. Motorrad- / Rollerbühne am Wohnmobil

    Viele Camper nutzen eine Motorradbühne am Heck. Anbieter wie Fiedler oder Linnepe bieten verschiedene Systeme an.

    • Vorteil: Roller wird direkt am Fahrzeug transportiert, kein zusätzlicher Anhänger nötig.
    • Nachteil: Sehr hohes Gewicht, Zuladung oft überschritten.

    Besonders interessant fanden wir den Linnepe Slideport, der sich zur Seite verschieben lässt. Das erleichtert den Zugang zu Stühlen, Tisch oder Gasflasche in der Heckgarage. Allerdings hätten wir dadurch unsere linke Hecktür blockiert – und damit den Zugang zum Heckauszug.

    Auch die Fiedler-Träger bieten smarte Lösungen, z. B. ausziehbare Systeme. Allerdings funktioniert das nur mit Fahrzeugen mit langem Überhang (z. B. 6,40 m Ducato). Mit unserem 6 m Kastenwagen war das keine Option.

    Ein Nachteil dieser Transportlösung sind die verhältnismäßig hohen Anschaffungskosten.

    2. Rolleranhänger

    Da wir auf der Waage festgestellt haben, dass unser Gewichtslimit mit einer Bühne + Roller überschritten wäre, blieb nur der Weg über einen Rolleranhänger.

    Wir wollten aber keinen zusätzlichen Anhänger dauerhaft herumstehen haben – also sollte eine faltbare bzw. zerlegbare Lösung her.

    Folgende Modelle haben wir recherchiert:

    Die ersten beiden werden leider nicht mehr hergestellt. Der Marathon Single und der Motolug liegen bei rund 1.500 €. Da wir ein Budget unter 1.000 € hatten, entschieden wir uns für den Wolf Follow Me.

    Dieser zerlegbare Anhänger lässt sich platzsparend verstauen und machte auf uns den robustesten Eindruck. In Motorrad-Foren haben wir viele positive Erfahrungsberichte gefunden – sogar von BMW GS Fahrern, die ihre schweren Maschinen damit transportieren. Für unseren leichten Roller also absolut ausreichend.

    Letztlich haben wir uns für einen Wolf Follow Me entschieden und gebraucht über Kleinanzeigen erworben. Leider mussten wir auch direkt den Nachteil zu spüren bekommen, dass die Wolf Follow Me überwiegend Ende der 90er Anfang der 2000er hergestellt wurden und daher älter und reperaturanfälliger sind. Bei einer der ersten Probefahrten mussten wir feststellen, dass ein Radlager beschädigt war und eine reperatur kurz vor dem Urlaub zeitlich nicht mehr möglich war.

    Letztendlich sind wir mit einem gebrauchten Stema MT750 Rolleranhänger in den Urlaub gefahren – und das hat hervorragend funktioniert. Wer also den Platz zum Abstellen hat, ist mit einem solchen Anhänger durchaus gut beraten. 

    Positiver Nebeneffekt der hier erwähnt werden sollte, bei Einsatz eines normalen Roller Anhänger (Kein Koffer) ist man zwar langsamer unterwegs aber wir haben hierdurch ca. 1 Liter auf 100km Treibstoff eingespart. 

        Mobilität beim Camping mit dem Roller in den Weinbergen

        Welche Roller eignen sich fürs Wohnmobil?

        Der erste Gedanke war natürlich eine Vespa zu kaufen. Allerdings sind diese relativ kostspielig und zudem recht schwer. Daher haben wir uns entschieden, zunächst eine günstigere Variante auszuprobieren und den Kauf einer Vespa auf den Winter zu verschieben. Am Ende ist es dann eine Art Crossover-Lösung geworden.

        Wer einen Roller mit dem Wohnmobil transportieren möchte, sollte auf Gewicht und Leistung achten. Als wir noch eine Bühne als Transportmittel nutzen wollten, war das Gewicht für uns entscheidend, weshalb wir zunächst leichtere Modelle in die engere Wahl gezogen haben. Allerdings boten diese vergleichsweise wenig Leistung.

        • Honda Vision 110 – sehr leicht, zuverlässig und günstig im Verbrauch.
        • Yamaha Delight – ebenfalls leicht und mit ausreichend Leistung für Stadt und Landstraßen.

        Da es schließlich doch ein Anhänger geworden ist, spielte das Gewicht keine so große Rolle mehr und wir entschieden uns für eine Crossover-Lösung. Im Endeffekt fiel die Wahl auf einen Aprilia SR GT 200, der die besten Eigenschaften von Roller und Motorrad miteinander vereint.

        Wir waren mit dem Roller sehr zufrieden und haben auch längere Strecken damit bewältigt. 

            Worauf man beim Roller beim Camping achten sollte

            Bevor man mit Roller und Wohnmobil in den Urlaub startet, sollte man unbedingt die gesetzlichen Bestimmungen im Zielland beachten. Diese unterscheiden sich je nach Land und können bei Nichtbeachtung schnell teuer werden:

            • Sicherheitsausrüstung: In Frankreich sind reflektierende Aufkleber* am Helm Pflicht. Außerdem müssen Handschuhe mit CE-Kennzeichnung* getragen werden. Auch Warnwesten gehören ins Gepäck.
            • Maut & Vignetten: In einigen Ländern wird für Anhänger eine zusätzliche Vignette oder Mautgebühr fällig. Vor allem in der Schweiz und Österreich ist das relevant.
            • Führerscheinregelungen: Je nach Hubraum gelten unterschiedliche Fahrerlaubnisse. In Deutschland gibt es beispielsweise die Möglichkeit, mit der Erweiterung B196 Roller bis 125 ccm zu fahren. Wichtig: Diese Regelung gilt ausschließlich in Deutschland und nicht im Ausland.
            • Helmpflicht & Ausstattung: In fast allen europäischen Ländern gilt Helmpflicht. Manche schreiben zusätzlich Schutzkleidung wie feste Jacken oder Schuhe vor.
            • Versicherung & Zulassung: Auch der Roller und ggf. der Anhänger benötigen eine gültige Zulassung und Versicherung. Prüfe am besten vor Abfahrt, ob deine Police auch im Ausland gilt.

            Unser Tipp: Vor jeder Reise kurz die aktuellen Vorschriften prüfen. So erspart man sich unnötigen Ärger oder Strafen und kann die Tour entspannt genießen.

                Unser Fazit: Roller lohnt sich beim Camping

                 

                Nach unserer Frankreich-Tour sind wir überzeugt: Roller beim Camping ist für uns eine der besten Entscheidungen gewesen.
                Ein Roller im Wohnmobil-Urlaub ist eine enorme Bereicherung für die Mobilität beim Camping. Er erweitert den Radius, ermöglicht entspannte Ausflüge ohne das Wohnmobil bewegen zu müssen und macht auch spontane Trips möglich.

                Zwar erfordert der Transport ein wenig Planung und Investition – ob per Bühne oder Anhänger hängt vom eigenen Fahrzeug ab –, doch für längere Reisen lohnt sich die Anschaffung definitiv.

                Für uns steht fest: Auf vielen zukünftigen langen Touren wird der Roller ein fester Begleiter sein.

                  Roller steht vor dem Wohnmobil auf dem Campingplatz

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