Unsere Erfahrung mit einem defekten CBE 516 Ladegerät im Wohnmobil, der Umstieg auf Victron, warum wir die Anzeichen im Rückblick hätten erkennen können – und wie wir die Situation unterwegs technisch sauber überbrückt haben.
Ein Defekt unterwegs – nüchtern betrachtet
Über Silvester waren wir mit unserem Wohnmobil in Garmisch-Partenkirchen unterwegs. Traumhafte Kulisse, winterliche Bedingungen und Temperaturen um die –6 °C. In diesem Rahmen ist uns ein technisches Problem aufgefallen, das uns letztlich zum Handeln gezwungen hat: Trotz angeschlossenem Landstrom wurde die Bordbatterie nicht mehr geladen.
Wichtig ist uns die klare technische Einordnung: Der Defekt stand nicht im Zusammenhang mit den Temperaturen oder dem Wintercamping. Das Ladegerät ist altersbedingt ausgefallen und hätte genauso gut im Sommer oder zu Hause den Dienst quittieren können. Unterwegs stellt ein solcher Fehler kein bloßes Randthema dar, sondern wird schnell zu einem echten Problem, da nahezu alle zentralen Funktionen im Wohnmobil auf eine zuverlässige Bordstromversorgung angewiesen sind.
Das betroffene Ladegerät: CBE 516 nach sechs Jahren Einsatz
In unserem Fahrzeug war ein CBE 516 verbaut. Das Gerät war rund sechs Jahre regelmäßig im Einsatz und hat in dieser Zeit zuverlässig zwei AGM-Batterien mit jeweils 95 Ah geladen. Betrachtet man typische Lebenszyklen von Ladegeräten, war es damit nüchtern betrachtet wahrscheinlich am Ende seiner zyklischen Lebensdauer angekommen.
Rückblickend gab es ein klares Warnsignal: Der Lüfter des Ladegeräts sprang in den Monaten zuvor immer häufiger an. Dieses Verhalten ist bei diesen Geräten ein bekanntes Symptom und kann darauf hindeuten, dass interne Bauteile zunehmend thermisch oder elektrisch belastet sind. Für uns war das zunächst kein akuter Alarm, im Nachhinein jedoch ein eindeutiges Indiz.
Ausgangslage: AGM heute, Lithium morgen
Aktuell sind bei uns zwei 95 Ah AGM-Batterien verbaut, die mit dem CBE 516 stets sauber geladen wurden. Gleichzeitig war für uns aber schon länger klar, dass wir perspektivisch auf LiFePO₄ umrüsten möchten.
Damit standen wir nach dem Defekt vor der klassischen Entscheidung:
- Erneut ein CBE 516 als Plug-and-Play-Lösung verbauen
- oder direkt auf ein Ladegerät setzen, das auch für LiFePO₄ geeignet ist
Da das CBE 516 keine passende Ladekennlinie für Lithiumbatterien bietet, war relativ schnell klar, dass ein einfacher 1:1-Tausch für uns nicht sinnvoll ist.
Warum Victron – und warum das Gesamtsystem zählt
Bereits verbaut ist bei uns ein Victron SmartShunt*, der kontinuierlich Strom, Spannung, Lade- und Entladeströme sowie den State of Charge erfasst. In Kombination mit der VictronConnect App nutzen wir diese Daten regelmäßig, um unser Bordnetz realistisch einschätzen zu können.
Vor diesem Hintergrund lag es nahe, auch beim Ladegerät auf Victron zu setzen. Ein entscheidender Faktor war dabei das geschlossene System: Alle relevanten Komponenten lassen sich zentral über eine App überwachen und konfigurieren. Unsere Wahl fiel nach Abwägung der verfügbaren Modelle auf den Victron Blue Smart Charger 12V 20A*.
Warum bewusst 20 Ampere
Das bisher verbaute CBE 516 lädt mit maximal 16 A, der Victron Blue Smart Charger* mit 20 A. Das bedeutet ein moderates Leistungsplus, ohne die bestehende Bordelektrik stärker zu belasten.
Natürlich bietet Victron auch Ladegeräte mit 30 A, 50 A oder mehr an. Diese hätten jedoch zur Folge gehabt:
- stärkere Kabelquerschnitte verlegen
- bestehende Originalverkabelung prüfen und anpassen
- höhere Dauerströme im Bordnetz
Da wir bewusst kein Risiko eingehen wollten und die originale Verkabelung unverändert bleiben sollte, haben wir uns gezielt für die 20-A-Variante entschieden. Für unser Fahrzeug war das der sinnvollste Kompromiss aus Ladeleistung und elektrischer Sicherheit.
Die Vorteile des Victron Blue Smart Chargers im Überblick
- Geeignet für AGM- und LiFePO₄-Batterien
- Moderne, saubere Ladekennlinien
- Konfiguration und Überwachung per VictronConnect App
- Einbindung in das bestehende Victron-System
Gerade die App-Lösung empfinden wir im Alltag als großen Vorteil, da Ladezustände und Parameter jederzeit nachvollziehbar sind.
Ausbau des CBE 516 – Schritt für Schritt
Vor allen Arbeiten an der Elektrik haben wir das Fahrzeug vollständig stromlos gemacht:
-
- 12-V-Batterien abgeklemmt
- Landstrom getrennt
- Sicherungskappen gezogen
- FI-/FE-Schalter am Elektroblock ausgelöst
Der Ausbau des CBE 516 erfolgte in folgenden Schritten:
1. Gehäusedeckel mit zwei Schrauben lösen
2. Zwei Steckverbindungen abziehen (230V – 3 adrig / 12V 3-adrig)
3. Ladegerät mit vier Schrauben von der Rückwand lösen
4. Linke Abdeckung des Elektroblocks leicht anheben, da das Gerät dort noch geführt ist
5. Ladegerät entnehmen
Einbau des Victron Chargers – wichtige Unterschiede
Der größte Unterschied zum CBE 516 liegt im 230-V-Anschluss. Der Victron Blue Smart Charger wird nicht fest angeschlossen, sondern über einen Schuko-Stecker betrieben.
Das bedeutet konkret: Das Nachrüstung einer Schutzkontakt-Steckdose ist erforderlich.
Wir haben uns hier bewusst für eine hochwertige Schuko Kupplung* entschieden, da diese robust, sauber verarbeitet und langlebig ist.
Platzierung und Kabelführung
Bei uns war der Platz rechts neben dem Ladegerät begrenzt. Daher haben wir das 230-V-Kabel unten aus der bestehenden Sammelverbindung gelöst und die Steckdose links neben dem Ladegerät platziert. Das 230-V-Kabel des Victron Chargers verfügt bereits über eine integrierte Zugentlastung, was den Anschluss auf dieser Seite unkompliziert macht.
Kritischer Punkt: Zugentlastung auf der 12-V-Seite
Wichtig zu wissen: Die 12-V-Anschlüsse des Victron Chargers verfügen über keine integrierte Zugentlastung.
Das bedeutet:
- Plus- und Minuskabel müssen zwingend vor dem Ladegerät mechanisch fixiert werden
- Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich die Kabel durch Vibrationen lösen
- Im schlimmsten Fall kann es zu Kontaktproblemen oder Kurzschlüssen kommen
In unserem Fall war bereits eine Sammelkabelbefestigung vorhanden, die wir gezielt nutzen konnten. Das sollte jedoch bei jedem Fahrzeug individuell geprüft und sauber umgesetzt werden.
Inbetriebnahme und App-Einrichtung
Nach dem Anschluss haben wir das Ladegerät über die VictronConnect App in Betrieb genommen:
1. Alle elektrischen Verbindungen herstellen
2. VictronConnect App öffnen und Ladegerät verbinden
3. Passende Ladekennlinie für AGM auswählen
4.Einstellungen speichern
5. Der spätere Wechsel auf LiFePO₄ lässt sich direkt in der App vornehmen, ohne erneut in die Hardware eingreifen zu müssen.
Wie wir die Situation überbrückt haben
Da das Ladegerät ausgefallen war und im Winter kaum Solarertrag zur Verfügung steht, mussten wir unseren Stromverbrauch deutlich reduzieren. Kühlschrank und Tankheizung blieben ausgeschaltet, das Bordnetz wurde nur noch minimal genutzt. Die Lebensmittel lagerten wir temperaturbedingt problemlos in einer Kühlbox außerhalb des Fahrzeugs, im Frischwassertank war Frostschutz vorhanden.
Ein entscheidender Faktor war unsere Power Station. Über sie konnten wir Beleuchtung und kleinere Elektrogeräte unabhängig vom Bordnetz betreiben und laden. Dadurch blieb die Situation kontrollierbar – auch wenn wir diesen Zustand bewusst nur als Übergangslösung sehen und nicht noch einmal erleben möchten.
Fazit: Technisch konsequent und zukunftssicher
Der Ausfall des CBE 516 war kein außergewöhnliches Ereignis, sondern ein altersbedingter Defekt. Rückblickend hätten wir anhand des häufig laufenden Lüfters erkennen können, dass sich das Gerät seinem Lebensende nähert.
Der Wechsel auf den Victron Blue Smart Charger 12V 20A war für uns technisch konsequent: kompatibel mit AGM und LiFePO₄, saubere Ladekennlinien, App-Überwachung und keine Anpassung der bestehenden Originalverkabelung notwendig. Wer perspektivisch auf Lithium umrüsten möchte, sollte das Ladegerät aus unserer Sicht frühzeitig in die Planung einbeziehen.
Hinweis / Disclaimer
Die in diesem Beitrag beschriebenen Arbeiten und Lösungswege basieren auf unseren persönlichen Erfahrungen und stellen keine fachliche oder elektrische Anleitung dar. Wir sind keine ausgebildeten Elektriker oder Fahrzeugelektroniker.
Arbeiten an der 230-V- und 12-V-Elektrik im Wohnmobil erfolgen grundsätzlich auf eigene Verantwortung. Unsachgemäße Ausführungen können zu Schäden an Fahrzeug und Technik sowie zu Kurzschlüssen oder Gefahren für Personen führen.
Im Zweifel empfehlen wir ausdrücklich, eine Fachwerkstatt oder einen qualifizierten Elektriker hinzuzuziehen.




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